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Bondage – Shibari

Lieber  Pierre,

Eigentlich stand ich dem Thema „Fesseln“ ja sehr skeptisch gegenüber, doch dank einer Freundin, die mir von ihrer besonderen Erfahrung bei dir erzählt hat und mir versichern konnte, dass es bei dir nicht um Macht und Unterwerfung geht, war meine Neugierde stärker als meine Skepsis – Gott sei dank! 🙂

Während ich mich also in einem Tank-Top und Leggins gekleidet von dir fesseln ließ und Du die ersten Seile um mich herum gewickelt hast, stand ich für mich recht neutral da und war die ganze Zeit damit beschäftigt darauf zu warten, dass endlich etwas passierte. Aber es „passierte“ nichts, außer dass ich mit einem weiteren Seil „eingewickelt“ wurde. Immerhin hatte ich keine Angst oder andere Beklemmungen, ich fühlte mich immer sicher, aber eine besondere Geborgenheit oder eine intensive Umarmung empfand ich durch die Seile auch nicht – so wie ich es von meiner Freundin gehört hatte. 

Als Du das letzte Seil an mir festgeknotet hattest, ich wie eine Mumie von oben bis unten mit Seilen umschlungen war und mich nicht mehr bewegen konnte, geschah für mich etwas völlig Unerwartetes.

Obwohl ich meine Augen geschlossen hatte, spürte ich deine Aufmerksamkeit, die mich nicht aus dem Fokus lassen und jede kleinste Regung von mir auffangen würde. Als du mir erst sanft über meine Wangen gestreichelt und mich dann noch liebevoll umarmt hast, verlor ich meine Selbstbeherrschung und ich bin emotional total zusammengebrochen. Mir wurde schlecht, beinahe schwarz vor Augen, ich dachte, ich müsse mich gleich übergeben. In meinem Körper herrschte ein absolutes Gefühlschaos, das ich nicht mehr kontrollieren konnte.

In diesem Zustand sackte ich wie ein nasser Sack in die Seile, die mich sicher hielten und du hast mich ebenso behutsam aufgefangen. Auch das sachte Entfesseln und die darauffolgenden Momenten der Stille, des wortlosen Beisammenseins waren besondere Momente für mich.  

Diese intensive Körpererfahrung hat mir meine persönlichen Schwierigkeiten mit dem Thema Nähe und Distanz in Beziehungen gespiegelt – und das unausweichlich, denn weglaufen war wortwörtlich unmöglich. Ein Konflikt, den ich mir bis dahin in solch einer Klarheit nicht eingestanden hatte und weswegen ich mir regelmäßig Beziehungspartner aussuchte, die mich immer wieder verletzten.

Unser Gespräch hat mir geholfen diese Erfahrung einzuordnen und mir aufgezeigt wie ich zukünftig in meinem Leben besser für mich selbst sorgen kann.

Auch wenn das Bondage schon einige Monate zurückliegt, hat es einen tiefgreifenden Prozess in mir angestoßen, der tagtäglich in mir weiterarbeitet.

Ich gestalte Beziehungen bewusster, spüre meine Bedürfnisse klarer und habe gelernt den Umgang mit Nähe und Distanz besser zu steuern. Diese Erkenntnis beeinflusst nicht nur die privaten, sondern auch meine beruflichen Beziehungen. Seitdem spüre ich eine neugewonnene Freiheit und Selbstermächtigung in meiner Lebensgestaltung.

Eine Erfahrung, die wahrlich meine Lebensqualität verändert hat und es immer noch tut.

Danke Bianca